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Firmengelände im Mannheimer Hafen




Das war ein persönliches Highlight: völlig unerwartet entdeckt und zugleich mein erster "richtiger" Lost Place!

Es war an einem sonnigen Samstag, ich hatte ein paar Stunden Zeit und Lust zu fotografieren. Mein Ziel sollte ein Teil vom Mannheimer Hafengebiet in der Nähe des Großkraftwerks sein. Bei der Suche nach Motiven entdeckte ich zufällig in einer Stichstraße ein offenes Tor, dahinter eine Zufahrt von einem Betriebsgelände, wo gerade eifrig ein Staplerfahrer aktiv war. Bis dorthin waren es aber noch gut 50m gerade aus und dazwischen lag links davon eine breite Rasenfläche. Da ich zuvor an einem Gebäude mit zugemauerten Fenstern vorbei kam, hatte ich nun eventuell die Möglichkeit die andere Seite davon zu erspähen. Noch leicht zögerlich schaute ich zum Arbeiter; der beachtete mich überhaupt nicht. Also mal lässig im Schlendergang eingetreten, dann gleich auf den Rasen abgeschwenkt und jetzt konnte ich es sehen: ein großer Innenhof mit Gebäuden einer offensichtlich anderen Firma oder Firmen und teilweise mit Spanplatten verschlossenen Fenstern. Mittlerweile war ich aus dem Sichtfeld des aktiven Betriebs mit dem Staplerfahrer gelaufen und konnte mich in Ruhe umschauen. Mein Blick blieb an einem Werkstatt-Schiebetor hängen, das mir im grellen Sonnenlicht einen schmalen dunklen Spalt vorzugaukeln schien. Aufgeregt ging ich darauf zu und dort angekommen stellte ich fest: es ist offen! Jetzt hatte ich definitiv einen erhöhten Puls und eine Mischung aus verschiedenen nicht eindeutig zu benennenden Gefühlen breiteten sich im ganzen Körper aus - ich schlüpfte rein.

Und das sollte der Anfang meiner Obsession werden. Die Faszination des Verlassenen, Verbotenen, Gefährlichen, Zerstörten, .. das Adrenalin, die Furcht, die Freude, das Gefühle-Wirrwarr, .. Körper und Geist in einem neuen aufregenden Modus, der süchtig machen kann. Ich finde für mich den Begriff "Zwischenwelt" am treffensten. Während meines Aufenthalts in einem Lost Place tritt alles andere in dieser Zeit zurück, bin mit allen Sinnen dort gefangen und fühle mich der "normalen" Welt entrückt.
Ich war und bin von dieser Zwischenwelt so fasziniert; ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand das anders empfinden könnte. Gut, wenn z.B. die Angst überwiegt, die Ekel-Grenze niedrig angesetzt ist, etc. Aber im Laufe der Zeit musste ich feststellen, dass es doch nicht wenige Menschen gibt, die das nicht nachvollziehen können, bzw. auch nicht wollen, da hierfür ein echtes Desinteresse besteht. Meine Begeisterungsfähigkeit schränkt mein objektives Urteilsvermögen dann doch manchmal ein - es soll ja auch Leute geben, die (keinen) Fußball mögen ... . Ich habe jedenfalls leider noch fast niemanden gefunden, der diese Zwischenwelt mit mir teilt (einen ganz besonderen Menschen ausgenommen) und daher öfters allein unterwegs bin, was auch nicht ganz ungefährlich sein kann. Ein weiteres Problem das hieraus resultiert ist, dass man sehr schwierig an Infos zu Lost Places kommt. 

Hier stand ich nun mit klopfendem Herzen, unschlüssig ob weitergehen oder nicht, aber klar doch - natürlich wollte ich mehr. Die Welt war jetzt draußen, ich stand in einer leeren Werkstatthalle mit kaum Restlicht, am anderen Ende war eine Tür zu erahnen. Eine Taschenlampe führte ich damals noch nicht bei mir, zum letzten mal beschloss ich sofort und ärgerte mich, denn als ich die Tür öffnete empfing mich tiefe Finsternis. So stand ich eine gefühlte Ewigkeit lauschend in der stockdunklen Stille des Hauses und wartete darauf, dass sich die Augen daran gewöhnen und etwas mehr zu sehen wäre. Tatsächlich passierte dies auch aber es war zu wenig. Doch ich hatte einen Kamerablitz, man sieht eigentlich nichts dabei, weil es zu schnell geht und danach durch die Blendung noch weniger, aber es gibt ja das Display. Durch entsprechende Einstellungen der Kamera und natürlich der Voraussetzung, das diese auch die Qualität dazu hat in der Summe ein brauchbares Bild selbst in einem größeren Raum zu liefern, war das eine brauchbare Übergangslösung. Und es funktionierte, ich bekam einen Überblick und konnte mich so bis zu einem wieder besser erhellten Raum weiter bewegen. Aber das hatte auch seine Grenzen, manche Bereiche foderten dann doch eine Taschenlampe und der Entschluß noch einmal damit herzukommen war gefasst. Dies sollte dann mit einem Freund dann tatsächlich nur drei Tage später abends nach der Arbeit geschehen. 


Nachtrag Oktober 2019:
Keines der Gebäude existiert mehr, das Gelände wurde eingeebnet.
Kies, Schotter, Unkraut - man könnte meinen, hier hätte nie etwas gestanden.

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Text & Bild © Bernhard Rensch 2019


In der Rubrick "Zwischenwelt" unter "Lost 2" sind noch mehr Fotos zu sehen!


weitere "lost places"
z.B. Altenheim, Hallenbad, Kinderkurheim, Kaserne, Ziegelei, Fabrik, etc.:

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